5 Fragen an das Web3

Webdesigner Chris Hortsch: 5 Fragen an das Web3

Was bisher geschah:

Die Evolution des Internets lässt sich sich kurz und knapp wie folgt zusammenfassen: Im Web1 (ca. bis Ende der 90er Jahre) waren Informationen dazu da, konsumiert zu werden. Eine Interaktion mit diesen Informationen oder Daten war in den frühen Jahren des Internets nicht möglich. Nur schauen, nicht anfassen. Im Web2 begann die Ära der Interaktion (ca. Anfang der 2000er). User waren nun nicht länger nur Zuschauer, sondern war nun in der Lage Inhalte auf Webseiten selbst zu gestalten. Die Entstehung von Social Media Plattformen wie Facebook und Instagram waren die Folge.

In beiden Fällen (Web1 und Web2) waren jeglichen Daten und Informationen immer zentral gespeichert und die Verwaltung (und vor allen auch die Verwertung) dieser Daten war nur denjenigen vorbehalten, die den Server kontrollieren.

Im Web2 konnten Daten und Informationen nur durch die Betreiber und Inhaber der jew. Webseiten/Server verwertet und verwaltet werden. Nicht dein Server? Nicht deine Daten! Wenn man so möchte das Pendant zum Web3: Nicht dein Key? Nicht deine Wallet!

Das klassische Surfen im Browser mag dem Web2-User zwar ein Gefühl von unendlicher (Bewegungs)Freiheit vermitteln, die technischen Strukturen (Server, Domainverwaltung, etc.) unterliegen aber der gesellschaftlichen und politischen Kontrolle einiger Weniger.

Die Türsteher des Web2 Internets sind dabei den wenigsten Usern bekannt. Ein Beispiel dass ich immer wieder gerne aufführe ist die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, kurz ICANN. Diese koordiniert die Vergabe von einmaligen Namen und Adressen im Internet. Dazu gehört die Koordination des Domain Name Systems (DNS) und die Zuteilung von IP-Adressen. Oder für den Laien ausgedrückt: Eine stark zentralisierte Einrichtung mit Sitz in den USA, welche letztendlich entscheidet wer, wann, welche Domain besitzt oder verwenden darf. Zwar registrieren wir eine Domain, haben sie aber letztlich nur gemietet und finanzieren die ICANN mit jährlichen Millionenumsätzen gleich mit.

Im Web2, wie wir es heute kennen steuern wir also immer wieder auf den gleichen Umstand zu: Informationen, Daten und den Zugang zu diesen werden sehr stark zentral verwaltet.

Was bringt uns das Web3?

In einer perfekten (Web3) Welt, haben User fortan die Möglichkeit über ihre Daten und Informationen selbst zu bestimmen. Oder anders ausgedrückt:

Stell dir vor du könntest deinen besten Instagram-Post aus Instagram herauslösen, ihn mit all seinen Likes, Comments und Views auf eine andere Plattform übertragen und dort eine weitere/andere Zielgruppe erreichen. Mit deinem Amazon Warenkorb könntest du fortan auf jedem Onlineshop der Welt zur Kasse gehen. Die gesammelten Rewe-Treuepunkte könntest du fortan auch bei Aldi und Edeka einlösen… The sky is the limit.

Wo wird das Web3 entstehen?

Das Web3 ist Stand heute noch eine Art Layer 2 Lösung des Web2.
Es braucht die Infrastruktur des Web2, um Usern überhaupt den Zugang zum Web3 zu ermöglichen.

Das bedeutet auch, dass der Werdegang des Web3 mit dem Gusto der Big Player im Web2 zusammenhängt. Kein Metamask Login ohne Web2 Browser, kein NFT Trading ohne Web2 Handelsplattformen wie Opensea. Um die Frage nach dem “wo” zu beantworten müsste man also zuerst die Frage nach dem wie beantworten.

Wie wird das Web3 entstehen?

Die wenigsten Player werden ihre Tore öffnen und ihre Daten und Informationen plötzlich in die freie Web3-Welt entlassen. Wahrscheinlich wird sich kein einziges Web2 Unternehmen finden, dass ernsthaft vorhat sich dezentral zu platzieren.

Stattdessen werden wir eine Flut von unternehmerischen Kooperationen sehen. Unternehmen die wir vorher in keinerlei Zusammenhang gesehen haben, werden Partnerschaften eingehen. Damit einher geht, dass den Usern und Kunden eine vermeintliche Dezentralität vorgegaukelt wird, die letztlich auch nur so groß sein wird, wie die Anzahl der Kooperationen aus der sie besteht.

Die Dezentralität des Web3 hört immer genau da auf, wo der Markt keinen Mehrwert mehr sieht.

Wann wird das Web3 entstehen?

Stand heute steckt das dezentrale Web3 Internet noch zweifelsohne in den Kinderschuhen. Allerdings wird die Entwicklung deutlich schneller voranschreiten als wir es bisher gewohnt waren.

Benötigte die industrielle Revolution noch an die 100 Jahre um sich voll zu entfalten, waren es im Web2 gerade 20 Jahre oder weniger, in denen die wirtschaftliche Weltordnung neu geschrieben wurde. Die Annahme dass das Web3 in weniger als 10 Jahren voll entwickelt sein könnte, ist meiner Meinung nach ziemlich realistisch.

Vor allem die vorhandene, technische Infrastruktur und das Kapital an fähigen Entwickler:innen, welche mit dieser technischen Infrastruktur umgehen können wird maßgeblich für die Geschwindigkeit des Web3 verantwortlich sein.

Wer wird vom Web3 profitieren?

Im besten Fall die User. Auf jeden aber Fall alle Web2 Unternehmen, die sich früh genug positionieren. Profitieren werden auch Anbieter, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen das (stand heute) noch komplexe Handling der Web3 Welt vereinfachen oder zumindest dazu beitragen. Anbieter wie Moonpay oder Ledger wären hier zu nennen. Ein weiterer, großer Profiteur werden die Blockchains selbst, bzw. ihre Inhaber/Betreiber dieser sein.

Dabei werden zentral organisierte und weniger demokratisch organisierte Blockchains zumindest in der kommerziellen Nutzung die Nase vorn haben, da Investoren sich Plan- und Skalierbarkeit wünschen. Das wäre langfristig dann auch das Ende der Ethereum Vorherrschaft.

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